Was beeinflusst die Scheidungsdauer? Als Fachanwalt für Familienrecht erhalte ich häufig die Fragen, wie lange ein Scheidungsverfahren dauert. Immer wieder erreiche ich auch die Nachricht, dass der beste Freund oder die beste Freundin schon längst geschieden seien. Die Kollegin aus der anderen Abteilung habe den Scheidungsantrag später gestellt und sei schon geschieden. Warum dauert dies bei einem selbst so lange?

Scheidungsdauer und Scheidungsverfahren
Wie lange dauert das Scheidungsverfahren?

Juristen stellen immer wieder auf den Einzelfall ab. Dies gilt auch für die Scheidungsdauer. Es muss nur ein Detail verändert werden und schon kann dies Auswirkungen auf das Scheidungsverfahren haben.

Am Ende dieses Artikels haben Sie hoffentlich einen Eindruck darüber, warum unter Umständen ihr Verfahren so lange dauert. Sollten Sie dagegen noch kein Verfahren eingeleitet haben, kann dieser Artikel hilfreich sein, damit sie die Dauer des Scheidungsverfahrens beeinflussen können

Gibt es einen Normalfall?

Die Dauer eines Scheidungsverfahrens kann sehr unterschiedlich ausfallen. Im Normalfall kann die Dauer zwischen 4 und 12 Monaten sein.

Wovon hängt die Dauer des Scheidungsverfahrens ab?

Juristen stellen immer wieder auf den Einzelfall ab. Dies gilt auch für die Scheidungsdauer. Es muss nur ein Detail verändert werden und schon kann dies Auswirkungen auf das Scheidungsverfahren haben.

1. Wie schnell reicht der Rechtsanwalt die Scheidung ein?

So einfach es klingt: Der Rechtsanwalt benötigt für die Scheidung bestimmte Unterlagen. Dies sind:

  • Das Stammbuch oder die Heiratsurkunde
  • Bei minderjährigen Kindern die Geburtsurkunden
  • Und falls vorhanden: Eheverträge oder Scheidungsfolgevereinbarungen

Der Rechtsanwalt kann den Scheidungsantrag auch ohne diese Unterlagen einreichen. ABER: Reicht der Rechtsanwalt die Unterlagen nicht vollständig, fordert das Gericht diese Unterlagen an. Je nach dem, wie schnell das Gericht reagiert und die Unterlagen nachgereicht werden, kann sich dadurch das Verfahren um 2 – 3 Wochen verzögern.

2. Wie schnell werden die Gerichtskosten eingezahlt?

Jedes Scheidungsverfahren in Deutschland wird erst weitergeführt, wenn der Antragsteller die Gerichtskosten eingezahlt hat. Es reicht also nicht aus, dass wir für Sie den Scheidungsantrag einreichen. Sie erhalten dann eine Aufforderung, die Gerichtskosten zu zahlen. Er wenn diese Kosten gezahlt worden sind, wird der Antrag zugestellt. Je später die Gerichtskosten eingezahlt werden, umso länger ist die “Scheidungsdauer”.

3. Wie schnell Sie die Unterlagen für den Versorgungsausgleich ausfüllen und beim Gericht einreichen?

Das Scheidungsverfahren besteht genau genommen immer aus zwei Verfahren. Nämlich die Scheidung an sich und dann das Verfahren zum Versorgungsausgleich. Denn nach dem deutschen Familienrecht hat das Familiengericht von Amts wegen auch über den Versorgungsausgleich zu entscheiden. Gerade dieses Verfahren hat erheblichen Einfluss auf die Scheidungsdauer und damit auf die Länge des Scheidungsverfahrens.

Was ist der Versorgungsausgleich?

Der Versorgungsausgleich bedeutet, dass jeder Ehegatte vom anderen die Hälfte der späteren Altersrente übertragen erhält. Dabei wird immer geprüft wieviel Anwartschaften während der Ehezeit erwirtschaftet wurde. Diese Verfahren ist immer zu regeln.

Sie erhalten durch das Amtsgericht eine Vielzahl von Unterlagen, die sie dann ausfüllen und beim Amtsgericht einreichen müssen. Dies kann schon einige Zeit in Anspruch nehmen, da Zeugnisse und Nachweise angefordert werden, die nicht mehr jeder zur Hand hat. Sollten dann auch ausländische Staatsangehörige an dem Scheidungsverfahren beteiligt sein, dann kann sich das Verfahren nochmal verlängern. Denn in diesen Fällen müssen Auskünfte im Ausland eingeholt werden.

Ist der Versorgungsausgleich durchzuführen, verlängert sich dadurch die Dauer der Scheidung.

4. Wie schnell die Versicherungen und Versorgungsträger arbeiten

Nach dem Sie die Unterlagen eingereicht haben, wird das Amtsgericht diese an die Versorgungsträger weiterleiten. Jetzt müssen diese Versorgungsträger (z.B. die Deutschen Rentenversicherung) die Unterlagen auswerten. Es kommen häufig zu nachfragen.

Und erst wenn alle Unterlagen vorliegen und alle Ansprüche ausgerechnet worden sind, kann das Scheidungsverfahren weitergeführt werden.

5. Dauer einer Scheidung ohne Versorgungsausgleich

In bestimmten Fällen führt das Familiengericht den Versorgungsausgleich nicht durch.

Folgende Gründe können dazu führen, dass der Versorgungsausgleich nicht durchgeführt;

  • Kurze Ehedauer: war die Ehe kürzer als 3 Jahre, wird der Versorgungsausgleich nur auf Antrag eines Ehegatten durchgeführt;
  • Ausschluss des Versorgungsausgleichs in einer notariellen Vereinbarung (z.B. Ehevertrag). Durch eine solche Vereinbarung kann der Versorgungsausgleich ausgeschlossen werden. Dies sollten man sich aber genau überlegen, ob das sinnvoll ist.

Dadurch verkürzt sich das Verfahren auf jeden Fall.

In bestimmten Fällen kann auch der Versorgungsausgleich auch ausgeschlossen werden, z.B. wenn jemand dies aus „Gerichtigkeitsgründen“ (Unbilligkeit) beantragt. In solchen Fällen verlangen die Gerichte trotzdem, dass die Unterlagen eingereicht werden. Eine Zeitersparnis ist daher nicht damit verbunden.

6. Ob neben der Scheidung noch weitere Ansprüche geltend gemacht werden:

Ein Scheidungsverfahren kann sich auch dann verlängern, wenn die Parteien sich noch über andere Punkte einigen müssen (zum Beispiel den Unterhalt oder den Zugewinnausgleich)

Neben der Scheidung können noch weitere Fragen zu klären sein: So kann es sein, dass einer der Beteiligten nachehelichen Unterhalt fordert. Oder ein Ehepartner möchte den Zugewinn ausgeglichen haben. Aufgrund der Verfahrensarten können sie das Scheidungsverfahren erheblich verlängern. So stellen die Anwälte zunächst einen Antrag auf Auskunft über Einkommen und Vermögen des Unterhaltsverpflichteten. Erst wenn diese Unterlagen vorliegen, kann der Unterhalt beziffert werden. Dies kann manchmal Jahre dauern.

7. Wann findet der Scheidungstermin statt?  Fristverlängerungen und Terminsverlegungen

Die Verfahren verzögern sich auch, durch Anträge bestimmte Fristen zu verlängern und einen Termin zu verlegen. Für diese Anträge gibt es unterschiedliche Gründe

  • Krankheit eines Beteiligten
  • Urlaub
  • anderer Termine des Rechtsanwaltes oder des Jugendamtes

8. Rechtskraft der Scheidung

Die Scheidung endet erst mit der Rechtskraft des Scheidungsbeschlusses. Die Rechtskraft tritt erst ein, wenn kein Rechtsmittel mehr eingelegt wurde. Das richtige Rechtsmittel gegen den Scheidungsbeschluss ist die Beschwerde. Diese Beschwerde ist innerhalb eines Monats möglich.

Er wenn diese Frist abgelaufen ist, ist das Scheidungsverfahren beendet.

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Autor: Rechtsanwalt  Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
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