Wie wird der Kindesunterhalt berechnet? Welches Einkommen wird berücksichtigt?  Welche Abzüge sind relevant? Was ist der Mindestunterhalt?
Wie wird der Kindesunterhalt berechnet? (Foto: ©-Marco2811-Fotolia.com)

Wie wird der Kindesunterhalt berechnet? Welches Einkommen wird berücksichtigt? Welche Abzüge sind relevant? Was ist der Mindestunterhalt? Diese und andere Fragen werden in diesem Artikel beantwortet.

1. Wo findet man etwas zu Unterhaltsberechnung?

Im Bürgerlichen Gesetzbuch stehen einige spärliche Regelungen zum Unterhalt. Wie genau der Kindesunterhalt berechnet wird, finden wiur nicht dort. Gemäß §1601 BGB heißt es: „Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.“. und weiter: „Unterhalts­berechtigt ist nur, wer außerstande ist, sich selbst zu unterhalten“ (§1602 BGB). Wichtig für den Kindesunterhalt sind:

  • Düsseldorfer Tabelle
  • Unterhaltsleitlinien und
  • die Rechtsprechung

2) Kindesunterhalt: Was benötigen Sie für die Unterhaltsberechnung?

Sie benötigen die Information über die Einkommensverhältnisse.

Zu den Einkommensverhältnissen gehören z.B.

  • das Einkommen aus einem Arbeitsverhältnis, Renten, sowie das
  • Einkommen aus seiner Selbständigen Tätigkeit
  • und auch das Einkommen aus Mietzahlungen, aus Dividenden oder Zinseinnahmen

Daher gibt das Gesetz einen Auskunftsanspruch und einen Anspruch auf Vorlage der Belege. Daher lassen sich die Juristen immer alle Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate vorlegen. Bei Selbständigen verlangt ein Rechtsanwalt immer die letzten 3 Einkommens- Überschussrechnungen.

Zusätzlich werden noch viele andere Belege verlangt, so z.B. über Kreditverpflichtungen oder Nachweis über bestimmte Versicherungen

3) Welche Abzüge können Sie geltend machen?

  • Berufsbedingte Aufwendungen
  • Kreditverpflichtungen (aber nicht alle !)
  • Vom Nettoeinkommen werden auch Fahrtkosten oder andere berufsbedingte Abzüge abgezogen. Hier werden mindestens 50 Euro, höchstens jedoch 150 Euro angesetzt. Kindergeld zählt nicht als Einkommen!

4) Wonach richtet sich der Kindesunterhalt ?

  • Düsseldorfer Tabelle
  • Abhängig vom Einkommen und vom Alter des Kindes

Es gibt eine Grundregel bei der Berechnung des Kindesunterhalts:

Je älter das Kind, umso höher der Unterhaltsanspruch.

Die zweite Grundregel lautet:

Je höher das Einkommen, umso höher ist der Unterhaltsanspruch.

Im Gesetz sind zwei Einkommenshöhen relevant. Eine Person, die mehr als 5.100 EUR monatlich verdient, muss nach den Umständen des Einzelfalls den Unterhalt zahlen. Die zweite Grenze betrifft das Einkommen von weniger als 1.900 EUR pro Monat. In diesem Fall muss man mindestens den Mindestunterhalt zahlen.

5) Was ist der Mindestunterhalt?

a) Der Mindestunterhalt ist ein Mindestbetrag, der als Kindesunterhalt gezahlt werden muss. Der Mindestunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle beträgt danach ab dem 1. Januar 2020:

– für Kinder der 1. Altersstufe (bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres) 369 EUR,

– für Kinder der 2. Altersstufe (bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres) 424 EUR und

– für Kinder der 3. Altersstufe (vom 13. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit) 497 EUR

6) Steht in der Düsseldorfer Tabelle immer der Zahlbetrag?

Nein, nicht auf den ersten Blick. Der Bedarf ist um die Hälfte des Kindergeldes zu reduzieren. Wie hoch ist das Kindergeld?

Daraus ergibt sich:

Anzahl der KinderKindergeldberechnungGesamtes Kindergeld
ein Kind1 x 204 Euro204 Euro
zwei Kinder2 x 204 Euro408 Euro
drei Kinder204 + 204 + 210618 Euro
vier Kinder204 + 204 + 210 + 235 EUR853 Euro
Höhe des Kindergeldes

7) Hier ein Beispiel für die Berechnung:

Ein Ehepaar trennt sich. Das Kind lebt bei der Mutter und sie möchte für das Kind Kindesunterhalt haben. Der Vater hat ein Einkommen von 2.500 EUR netto. Wir unterstellen, dass das Kind 8 Jahre alt ist.

Der Unterhaltsbedarf laut Düsseldorfer Tabelle für ein minderjähriges Kind, 5 Jahre alt, beträgt im Jahr 2020 467 Euro
betragen. Abzuziehen ist noch das hälftige Kindergeld in Höhe von 102 Euro, so dass ein Unterhalt von 365 Euro zu zahlen ist.

8) Warum ist es fast unmöglich den genauen Unterhalt ohne Hilfe zu berechnen:

Die liegt an mehreren Faktoren:

  • Das Einkommen wird unterschiedlich berechnet
  • Welche Abzüge dürfen getätigt werden?
  • Unterschiedliche Richtlinie in den jeweiligen Bundesländern
  • Das Gesetz ist nur sehr ungenau
  • Unterhalt ist einzelfallabhängig und zum Teil auch sehr stark abhängig von der Rechtsprechung

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Autor: Rechtsanwalt Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
Dozent für das Arbeits- und
Betriebsverfassungsrecht
Breite Str. 147 – 151
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