7 Mythen über das Scheidungsverfahren - Welcher Mythen bestehen rund um die Scheidung? Fachanwalt für Familienrecht Wille erläutert den Wahrheitsgehalt.
Welche Mythen bestehen rund um die Scheidung? Fachanwalt für Familienrecht Wille erläutert den Wahrheitsgehalt.

Es gibt sicherlich mehr als 7 Mythen über das Scheidungsverfahren. Doch die häufigsten möchte ich Ihnen hier vorstellen. Über Scheidungen und über Scheidungsverfahren existieren eine Menge Irrtümer, Mythen und Legenden. Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen sieben Mythen vorstellen und den Wahrheitsgehalt überprüfen.

1. Mythos: Wir sind uns über alle Einzelfragen der Scheidung einig, daher können wir uns für die Scheidung einen gemeinsamen Rechtsanwalt nehmen.

Einer der häufigsten Irrtümer. Daher befasse ich mich auch mit dieser Frage als erstes von den 7 Mythen über das Scheidungsverfahren.

Eheleute können keinen gemeinsamen Rechtsanwalt nehmen. Einem Rechtsanwalt ist es gesetzlich untersagt, widerstreitende Interessen zu vertreten. Dies ist in § 43 BRAO i.V.m. § 43a Abs. 4 BRAO, § 3 BORA eindeutig geregelt.

Daher darf der Anwalt nur eine Partei vertreten. Sollte er zwei Parteien vertreten, dann besteht ein Interessenskonflikt. Der Rechtsanwalt läuft auch Gefahr wegen Parteiverrats strafrechtlich verfolgt zu werden. Zusätzlich muss der Anwalt im Falle einer Interessenkollision beide Mandate niederlegen.

Schauen wir uns eine konkrete Situation an:

Das Ehepaar Müller möchte sich scheiden lassen und möchte nur einen Rechtsanwalt nehmen. Das Ehepaar ist sich in einigen Fragen nicht sicher, wie sie sich verhalten sollen und gehen zu einem Rechtsanwalt. Der Rechtsanwalt ist verpflichtet u.a. bei der Frage des Versorgungsausgleichs zu beraten und zu begleiten. Darüber hinaus kann es zu anderen Fragen z.B. des nachehelichen Unterhalts kommen. Es ist klar, dass der Rechtsanwalt der Herrn Müller vertritt u.U. einen anderen Ratschlag gibt als der Rechtsanwalt der Frau Müller vertritt.

Der Rechtsanwalt reicht auch nur für den einen Ehegatten die Scheidung ein. Der Rechtsanwalt vertritt auch nur den einen Ehepartner und nicht beide Eheleute.

Im Gerichtstermin sitzt der Rechtsanwalt auch nur auf der Seite seines Mandanten.

2. Mythos: Ein Ehevertrag kann nur vor der Hochzeit geschlossen werden? 

Nächste von den 7 Mythen über das Scheidungsverfahren betrifft eigentlich nicht nur das Verfahren. Ein Ehevertrag enthält Regelungen darüber, wie die Eheleute nach der Scheidung mit den Folgen einer Scheidung umgehen wollen. Wollen Sie z.B. den Zugewinnausgleich oder den nachehelichen Unterhalt ausschließen?

Eheleute können den Ehevertrag, vor oder während der Ehe einen Ehevertrag aufsetzen oder diesen ändern. Ein Ehevertrag muss in der Regel notariell beurkundet werden.

Ob ein Ehevertrag für einen Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden.

Ich hatte in meiner Podcastfolge Nr. 8 schon darüber gesprochen, wie man die Folgen einer Trennung und Scheidung regeln kann.

3. Mythos: Je kürzer die Ehe, umso schneller die Scheidung?

So allgemein stimmt dies (leider) nicht. Auch bei einer kurzen Ehe muss das Trennungsjahr eingehalten werden. Ich hatte mal einen Mandanten, der sich 2 Wochen nach der Hochzeit von seiner Frau getrennt hat. Jetzt dachte er, dass man die Ehe jetzt schnell mal beenden könnte. Er wünschte eine Art „Blitzscheidung“. Dies geht nicht.

Das Scheidungsverfahren kann unter Umständen dafür schneller sein, weil die Eheleute vielleicht nicht so viele Frage zu klären haben.

4. Beide Eheleute müssen der Scheidung zustimmen?

Stimmen die Eheleute einer Scheidung zu, dann ist das Verfahren etwas einfacher. Sollte ein Ehepartner der Scheidung nicht zustimmen, ist es etwas komplizierter:

Nach Ablauf des Trennungsjahres muss der oder die Scheidungswillige nur nachweisen, dass die Ehe zerrüttet ist. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Weist einer der Eheleute nach, dass er seit längerer Zeit mit einem neuen Partner zusammenlebt, kann die Ehe auch vor Ablauf der drei Jahre aufgelöst werden.

Leben die Eheleute drei Jahre getrennt, dann wird unwiderlegbar vermutet, dass die Ehe zerrüttet ist.

5. Die Mutter erhält immer das alleinige Sorgerecht?

Zunächst gibt es keine automatische – gesetzliche – Regelung, die dies besagt. Aber betrachtet man die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2018, so gibt es eine Tendenz. Schauen wir uns die Zahlen für die verheirateten Eltern an. Nach der Auskunft des Statischen Bundesamtes gab im Jahr 2018 über 32.000 isolierte Sorgerechtsfälle. D.h. es wurden über 32.000 Sorgerechtsverfahren eingeleitet ohne Scheidung oder anderen Fälle, daher der Begriff isolierte Sorgerechtsfälle.

In 50 % der Fälle verblieb es nach diesen Verfahren beim gemeinsamen Sorgerecht; aber immerhin in 33 % der Fälle erhielt die Mutter das alleinige Sorgerecht; in 13 % der Fäll erhielt der Vater das alleinige Sorgerecht. Es gibt also daher zwei Tendenzen:

Sorgerechtsverfahren mit verheirateten Eltern im Jahr 2018
Rechtsanwalt Klaus Wille
Sorgerechtsverfahren mit verheirateten Eltern im Jahr 2018
(c) der Grafik liegt bei Rechtsanwalt Klaus Wille

Zum einen werden die Hälfte der Verfahren damit abgeschlossen, dass sich im Wesentlichen nichts ändern und das gemeinsame Sorgerecht verbleibt. Eine zweite Tendenz, zeigt aber auch, dass in den Fällen, in denen das Sorgerecht zwingend auf einen Elternteil übertragen wurde, auf die Mutter übertragen wurde. das Sorgerecht. Aber: die Hälfte der Fälle endet immerhin damit, dass es beim gemeinsamen Sorgerecht verbleibt.

6. Mythos: Mit dem Scheidungsverfahren wird automatisch auch der Unterhalt geregelt?

Es gibt bekanntlich verschiedene Unterhaltsarten: Kindesunterhalt und Ehegattenunterhalt. Der Elternunterhalt, d.h. der Unterhalt, welcher von Kindern an die Eltern gezahlt wird, spielt in Scheidungsverfahren keine Rolle.

Häufig regeln die Ehepaare den Unterhalt ohne die Gerichte. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: die Eltern regeln dies entweder selbst oder mit einem Rechtsanwalt. Der Kindesunterhalt kann auch über das Jugendamt geregelt werden.

Sollte es in dieser Phase keine Einigung geben – warum auch immer – muss der Unterhaltsberechtigte entscheiden, ob er oder sie zum Gericht geht und einen Antrag stellt. Ohne einen Antrag wird das Gericht nicht tätig werden.

Nur wenn ein besonderer Antrag erfolgt, dann kann der Unterhalt geregelt werden.

7. Mythos: Ich muss im Scheidungstermin „etwas unterschreiben“, damit die Scheidung gültig ist.

Der letztes Mythos der 7 Mythen über das Scheidungsverfahren betrifft den Scheidungstermin. Im Scheidungstermin werden die Eheleute zur Scheidung angehört. Der Richter oder die Richterin fragt die Eheleute, wann der genaue Trennungszeitpunkt war und ob die Eheleute die Ehe als zerrüttet ansehen. Dann wird der Versorgungsausgleich besprochen. Sollte die Eheleute noch weitere Angelegenheiten klären wollen, dann werde diese Angelegenheiten auch geklärt. Am Ende gibt es eine Entscheidung – einen Scheidungsbeschluss.

Aber: die Eheleute unterschreiben dabei nichts. Nur der Richter setzt seine Unterschrift unter den Beschluss.

Dies war eine Übersicht über 7 Mythen über das Scheidungsverfahren.

Hören Sie auch unseren Podcast, der Ihnen regelmäßig Tipps und Hinweis zum Familienrecht gibt.

Autor: Rechtsanwalt Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
Dozent für das Arbeits- und
Betriebsverfassungsrecht
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