Kündigung wegenn Verdacht der Unterschlagung (Bild: Daniel Ernst-fotolia.com)
Kündigung wegenn Verdacht der Unterschlagung (Bild: Daniel Ernst-fotolia.com)

Verdachtskündigung: Ein Pförtner einer Polizeistation kann fristlos gekündigt werden, wenn ein dringender Tatverdacht besteht, dass ein 100 € Schein von dem Pförtner unterschlagen wurde.

Sachverhalt

Der Arbeitnehmer war seit 1987 bei der Arbeitgeber beschäftigt. Er war auf der Pförtnerstelle einer Polizeidienstelle eingesetzt. Ende 2017 wurde behauptet, dass der Pförtner einen 100 € Schein von einer Frau entgegengenommen habe. Eine Frau behauptete, sie habe ihm die 100 € Schein gegeben. Ein Eingang war nicht durch den Pförtner vermerkt. Die Finderin hatte sich später an die Polizeidienstelle gewandt und mitgeteilt, dass sie einen 100 € Schein gefunden und diesen an der Pforte der Polizeidienstelle abgegeben habe.

Verdachtskündigung

Gegen den Arbeitnehmer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Unterschlagung eingeleitet. Die Finderin erkannte den Pförtner bei einer Gegenüberstellung. Die Arbeitgeberin hörte den Arbeitnehmer zu dem Verdacht der Unterschlagung an. Der Arbeitnehmer bestritt, dass Geld entgegengenommen zu haben. Die Arbeitgeberin kündigte dem Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis fristlos.

Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf vom 28.6.2019 (Az.: 6 Sa 994/18) zur Verdachtskündigung

Das Landesarbeitsgericht hält die Kündigung des Klägers für wirksam. Es handele sich um eine sogenannte Verdachtskündigung. Es sei kein Motiv erkennbar, warum die Finderin gelogen haben könnte. Für die Version des Klägers spreche kein plausibler Grund. Das Landesarbeitsgericht sei nach der Vernehmung der Finderin zu der Überzeugung kommen, dass ihre Version der Geschehnisse nachvollziehbar sein.
Der dringend Tatverdacht rechtfertige auch die fristlose Kündigung . Sie sah auch gerechtfertigt im Hinblick auf die lange Beschäftigungszeit von 30 Jahren.

Fazit

Verdachtskündigungen sind ein zweischneidiges Schwert. Der Arbeitgeber hat keinen absoluten Beweis für einen Pflichtverstoß des Arbeitnehmers sondern nur erhebliche Verdachtsmomente. Der Arbeitnehmer wird entlassen, weil ein Verdacht z.B. einer Straftat besteht.

Arbeitgeber sind verpflichtet die Verdachtskündigung gut aufzuklären. In der Praxis werden Verdachtskündigungen in der Regel als außerordentliche Kündigungen ausgesprochen, da das Vertrauensverhältnis zwischen dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach solchen Verdächtigungen in der Regel zerstört ist.

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Autor: Rechtsanwalt  Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
Dozent für das Arbeits- und 
Betriebsverfassungsrecht
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