Selbstbeurlaubung als Kündigungsgrund (Foto: HSB-Cartoon- Fotolia.de)

Die eigenmächtige Inanspruchnahme eines Urlaubs – sog. Selbstbeurlaubung, stellt einen Kündigungsgrund dar, der eine fristlose Kündigung rechtfertigen kann. Darauf hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hingewiesen.

1. Sachverhalt

Eine Arbeitnehmerin war seit 2014 bei der Arbeitgeberin beschäftigt. Berufsbegleitend absolvierte sie ein Studiengang, den sie im Juni 2017 erfolgreich abgeschlossen hatte. Mit Blick auf die Prüfung hatte die Arbeitnehmerin für den 22. und 23.6.2017 einen Urlaub genehmigt erhalten. Am Montag den 26..6.2017 erschien die Arbeitnehmerin nicht im Betrieb. Sie schickte im Laufe des Tages eine E-Mail an ihren Vorgesetzten und bat um einen „spontan“ Urlaub. Die Arbeitnehmerin teilte mit, dass sie wegen einer bestandenen Prüfung von ihrem Vater einen Urlaub in Spanien geschenkt erhalten habe. Sie wollte bis einschließlich 306.2018 abwesend sein. Der Vorgesetzte antwortete per E-Mail, dass die Anwesenheit der Arbeitnehmerin dringend erforderlich sei und sie daher am Arbeitsplatz erscheinen müsste. Die Arbeitnehmerin erschien nicht am Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber kündigte ihr daraufhin fristgerecht.

2. Beschluss des LArbG Düsseldorf vom 10.07.2018 (Az.: 8 Sa 87/18)

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat in darauf hingewiesen, dass die eigenmächtige Inanspruchnahme von Urlaub ein Kündigungsrecht darstelle. Dies rechtfertige sogar eine fristlose Kündigung. Spätestens nach der E-Mail der Vorgesetzten habe die Arbeitnehmer anerkennen müssen, dass sie zur Arbeit kommen müsse.

3. Fazit zur unberechigten Selbstbeurlaubung

Die unberechtigte Selbstbeurlaubung eines Arbeitnehmers, insbesondere gegen den ausdrücklich erklärten Willen des Vorgesetzten ist ein Kündigungsgrund, der sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigt. Dies hat bereits das Bundesarbeitsgericht entschieden (BAG Urteil vom 16.03.2000 2 AZR 75/99). Es bedarf hierzu auch keiner vorherigen Abmahnung. Gleiches gilt auch für die eigenmächtige Verlängerung eines genehmigten Urlaubs.

In rechtlicher Hinsicht ist daher jedem Arbeitnehmer davon abzuraten, eigenmächtig einen Urlaub zu nehmen oder einen Urlaub eigenmächtig zu verlängern. Lehnt der Arbeitgeber einen Urlaubsantrag ab, so muss der Arbeitnehmer seinen Urlaubsanspruch gegebenenfalls gerichtlich einklagen.

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Rechtsanwalt Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
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