Sorgerecht wegen Umgangsverweigerung? (Foto: Marzanna Syncerz – Fotolia.com)

Das alleinige Sorgerecht kann auf den bisherigen umgangsberechtigten Elternteil übertragen werden, wenn der bisherige sorgeberechtige Elternteil den Umgang mit den Kindern verweigert.

1. Sachverhalt

Die Eltern sind die getrennt lebend. Aus ihrer Beziehung sind zwei Kinder hervorgegangen. Die Kinder sind im Jahr 2008 und 2009 geboren und lebten zunächst bei der Mutter. Nach der Trennung der Eltern erhielt der Vater Umgangsrecht. Die Umgangskontakte gestalteten sich als schwierig, da die Eltern sich bei den übergaben Termin stritten. Die Konflikte wirkten sich auch auf die Kinder aus, da ein Kind sich weigerte zu zu gehen und das andere Kind begann eine Veweigerungshaltung einzunehmen.

Durch das Amtsgericht wurde der Umgangspflegschaft angeordnet. Der erste Umgangstermin mit dem Umgangspfleger verlief problemlos. Der zweite Umgangstermin scheiterte an der Verweigerung der Kinder. Die Mutter fühlte sich durch den im Umgangspfleger bedroht und stellte eines der Kinder in einem Klinikum vor. Vorher war die Mutter auch noch bei einem Traumtherapeuten mit den beiden Kindern vorstellig gewesen.

Das Amtsgericht hat dann ein familienpsychologisches Gutachten eingeholt. Es sollte die Frage klären, welche Sorgerechts- und Umgangsregelung dem Wohle der Kinder am besten dient. Das Gutachten empfahl das Sorgerecht auf den Vater zu übertragen. Der Vater hat im weiteren Verlauf die Übertragung der gesamten elterlichen Sorge auf sich allein beantragt. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Dagegen legte die Kindesmutter Beschwerde ein.

 

2. Beschluss des Oberlandesgerichts Köln vom 25.8.2017 (Az.: II 25 UF 83/17)

Das Oberlandesgericht Köln wies die Beschwerde der Kindesmutter zurück und übertrug endgültig das Sorgerecht auf den Vater.

Die Bindungstoleranz bei der Mutter sei erheblich eingeschränkt oder fehle vollständig. Folgende Anhaltspunkte nannte das Oberlandesgericht:

  • das Gutachten der Sachverständigen sprach sich für die Übertragung des Sorgerechts auf den Vater aus
  • die ersten Umgangstermine zwischen dem Vater und den Kindern: der Umgangspfleger und auch der sachverständige konnten einen Umgangstermin mit dem Vater und den beiden Kindern problemlos und ohne Zwischenfälle durchführen.
  • Die Reaktion der Kinder in dem ersten Umgangstermin: nach dem Bericht des Umgangsträgers liefen beide Kinder anlässlich des ersten Umgangstermins auf den Vater zu und es war eine sehr gelöste Stimmung und die Kinder freuten sich auch über etwaige neue Kontakte.
  • Das Scheitern der weiteren Termine aufgrund der Weigerung der Kinder: ohne ersichtlichen Grund hätten die Kinder ein zweites Treffen abgelehnt. Dies führte das Oberlandesgericht auf die Einflussnahme der Mutter zurück.
  • Das Verhalten der Kindesmutter im Hinblick auf den Umgang in der Vergangenheit: die Mutter habe in der Vergangenheit weitere Umgangstermine kurzfristig und mit unsachlichen Gründen abgesagt.
  • Abbruch der Kontakte zu weiteren Familienmitgliedern des Vaters durch die Mutter
  • Gravierende Verhaltensauffälligkeiten der Kinder und das Verhalten der Mutter mit diesen Problemen umzugehen: so hatte die Mutter eine wichtige Therapie eines Kindes ohne Erläuterung abgebrochen
  • Erhebliche Erziehungsdefizite der Kindesmutter

Dagegen seien bei dem Vater wegen Erziehungsdefizite noch Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen.

Daher wurde dem Vater das alleinige Sorgerecht übertragen.

3. Fazit

Die Übertragung des Sorgerechts aufgrund der Umgangsverweigerung gehört zu den seltenen Fällen in der Rechtsprechung. Die Rechtsprechung duldet in vielen Fällen eine Umgangsverweigerung. Dabei zeigt die Erfahrung, dass die Umgangsverweigerung selten eine Begründung ist, um das Sorgerecht zu überprüfen.

4. Quelle

Beschluss des OLG Köln vom 25.08.2017 – https://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/koeln/j2017/25_UF_83_17_Beschluss_20170825.html

 

Rechtsanwalt  Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
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