1. Sachverhalt
Ein Kind wurde am 10. Juli 2005 als eheliches Kind der Beteiligten zu 1) und 2) in Berlin geboren und sollte den Namen "Djehad" erhalten. Der Standesbeamte hat die Beurkundung des Vornamens abgelehnt, da das Wohl des Kindes bei dieser Vornamenswahl erheblich gefährdet sei, weil der Begriff „Heiliger Krieg“ bedeute.
Dem Antrag der Eltern, den Standesbeamten anzuweisen, die Beurkundung des Vornamens Djehad vorzunehmen, hat das Amtsgericht stattgegeben. Dagegen wure seitens der Stadt Beschwerde eingelegt. Diese wurde durch das Landgericht abgewiesen. Hiergegen richtet sich die  sofortige weitere Beschwerde.
2. Rechtlicher Hintergrund
Es gibt keine gesetzlichen Regelungen über die Namenswahl. Daher ist man grundsätzlich frei in der Wahl, doch diese darf nicht das Kindeswohl beeinträchtigen. Der Vorname muss das Geschlecht des Kindes erkennen lassen. Für Knaben sind nur männliche, für Mädchen nur weibliche Vornamen zulässig.
Miteinander verheiratete Eltern haben  das gemeinsame Sorgerecht und müssen daher den Vornamen wählen. Nicht miteinander verheiratete Eltern können nur nach Anerkennung der Vaterschaft und einer beim zuständigen Jugendamt abgegebenen Erklärung das gemeinsame Sorgerecht erhalten. Ansonsten obliegt der Kindesmutter zunächst die alleinige Sorge und hat dann auch das Recht über den Vornamen zu entscheiden.
3. Beschluß des Kammergerichts Berlin vom 30.06.2009 (Az.: 1 W 93/07)
Das Kammergericht wies die Beschwerde zurück und lies den Vornamen "Djehad" zu.

Die Erteilung dieses Vornamens sei nicht geeignet, das Kindeswohl zu beeinträchtigen. Auch wenn das Wort „Djehad“ in dieser oder ähnlicher Schreibweise mit „Heiliger Krieg“ übersetzt werde, spreche dies nicht gegen die wirksame Erteilung des Vornamens Djehad, weil es sich hierbei erkennbar um einen Vornamen handele und nicht um die Bezeichnung für „Heiliger Krieg“.

Dazu führt das Gericht aus:
"aa) (…) Entscheiden sich Eltern für einen Vornamen, der die naheliegende Gefahr begründet, dass er Befremden oder Anstoß erregen, den Namensträger der Lächerlichkeit preisgeben und ihn in der Entfaltung seiner Persönlichkeit beeinträchtigen wird, so ist die Namensbestimmung nicht zulässig (…). Hierher gehören entwürdigende Namen wie „Ogino“, „Gin“, „Rotkäppchen“, „Gastritis“ oder „Meningitis“ (…). Ein solcher Fall liegt hier nicht vor. Weder die eigentliche Bedeutung des Vornamens „sich anstrengen, sich bemühen für Gott“ bzw. „gegen Unterdrückung kämpfen“ noch die eigentlich unkorrekte Übertragung als „Heiliger Krieg“ sind als solche anstößig oder lächerlich.
bb) Auch die Befürchtung der Beschwerdeführerin, es bestehe die Gefahr, das Kind politisch zu instrumentalisieren und als Botschafter der politischen Einstellung der Eltern zu missbrauchen, führt nicht zur Unzulässigkeit des Vornamens Djehad. Die Motive der Eltern sind als solche nicht Gegenstand rechtlicher Beurteilung. Auch wenn die Namensgebung zum Ausdruck elterlicher Weltanschauung, religiöser oder politischer Überzeugung missbraucht wird, kann es immer nur der konkret erteilte Name selbst sein, aus dem eine Gefährdung des Kindeswohls hergeleitet werden kann (…). Entscheidend ist nicht die Einstellung der Eltern zur Religion sondern das Kindesinteresse (…). Schließlich sollte die Zulassung oder Nichtzulassung ausländischer Vornamen auch kein Mittel nationaler Kulturpolitik sein (…).
cc) Nicht für durchschlagend hält der Senat den Hinweis, eine Beeinträchtigung des Kindeswohls durch den gewählten Vornamen Djehad sei deshalb zu befürchten, weil der Begriff „Djehad“ insbesondere nach den Anschlägen vom 11. September 2001 mit der Planung von Terroranschlägen islamistischer Fanatiker in Verbindung gebracht wird. In diesem Zusammenhang ist anerkannt, dass sog. Assoziativnamen, die die Allgemeinheit mit bestimmten Vorstellungen, Gegenständen und Personen verbindet, für den Namensträger belastend sein können, weil hieraus negative Wirkungen des Namens zu befürchten sind (…). Ob der Vorname im konkreten Fall eine Last für das Kind ist, hängt nicht zuletzt von der sozialen Umwelt des Kindes ab. Vor allem geht es dabei um die Frage, ob und inwieweit die Gefahr besteht, dass das Kind im Schulalter wegen des Namens Nachteile erleidet, die sich hindernd auf das ganze Leben des Betroffenen auswirken können, während sich ein erwachsener Namensträger der Nachteile, die mit einem belastenden Vornamen verbunden sind, im Zweifel zu entledigen weiß (…). Die Beschwerdeführerin weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Beteiligte zu 3) in Deutschland wohnt und, soweit ersichtlich, ein Wechsel des Wohnsitzes in ein islamisches Land auch nicht beabsichtigt ist. Andererseits ist es aber anerkannt, dass im Rahmen der Prüfung der Zulässigkeit eines bestimmten Vornamens zu berücksichtigen ist, welche Bedeutung er in dem Kulturkreis hat, aus dem er stammt. (…). Der Senat verkennt nicht, dass der Begriff „Dschihad“ von radikalen Islamisten im Sinne eines bewaffneten Kampfes gegen „Ungläubige“ auch mit den Mitteln des Terrors verwendet wird. Dies ist jedoch, wie das Landgericht zutreffend hervorgehoben hat, nur eine Deutung des Begriffes, was auch das von der Beschwerdeführerin selbst im Schriftsatz vom 21. März 2007 eingereichte Dossier zum Stichwort „Heiliger Krieg“ belegt. Danach „verstehen die meisten muslimischen Rechtsgelehrten unter dem wörtlich mit Anstrengung oder Abmühen übersetzten Dschihad die Verpflichtung zu einem geistigen und gesellschaftlichen Einsatz zur Verbreitung des Glaubens“. Muslime sollen den Dschihad sowohl mit dem „Herzen“ (gegen sich selbst), der „Zunge und Hand“ (zur Überzeugung und als Beispiel für andere) sowie mit dem „Schwert“ führen. Krieg dürfe nach dieser Auslegung nur gegen Angreifer, also ausschließlich zur Verteidigung und zum Schutz geführt werden. Erst im Laufe der islamischen Religionsgeschichte seien weltliche Kämpfe und Kriege zum Dschihad hochstilisiert worden.
Handelt es sich demnach bei „Djehad“ um eine im Arabischen auch als männlicher Vorname gebräuchliche Bezeichnung für eine religiöse Pflicht der Gläubigen, so kann der Umstand, dass diese Bezeichnung in der aktuellen Enwicklung von religiösen Fanatikern und Terroristen für sich in Anspruch genommen wird, keine Einschränkung des Rechts der Eltern begründen, diesen Namen für ihr Kind als Vornamen zu bestimmen. Dabei kommt es, (…), auf die Motivation der Beteiligten zu 1) und 2), aus der heraus sie dem Kind den Namen Djehad geben wollen, nicht an. (…)

4. Fazit
Bei der Namensgebung kommt es darauf an, ob der gewählte Vorname Kindswohlgefährdend ist. Nur dann darf der Standesbeamte die Eintragung des Namens verweigern. Dabei hängt es auch davon ab, ob das Kind später Nachteile aufgrund des Namens haben könne. In dem Namen Djehad sahen das Amts, – das Land- und das Kammergericht keine Gefahr, da der Name mehrere Bedeutungen haben könne.
5. Quelle (Volltext)
http://www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de/jportal/?quelle=jlink&docid=KORE217992009&psml=sammlung.psml&max=true&bs=10
Für Rückfragen zu diesem oder anderen Themen stehe wir Ihnen gerne zur Verfügung. Einen Beratungstermin können Sie gerne hier vereinbaren.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wille
Fachanwalt für Familienrecht
Breite Str. 147 – 151
50667 Köln
Telefon: 0221/2724745
Telefax: 0221/2724747
www.anwalt-wille.de