Umgangsvereitelung versus nachehelicher Unterhalt: Kann der nacheheliche Unterhalt für eine geschiedene Ehefrau gekürzt werden, wenn sie den Umgang zwischen Vater und Kind vereitelt?

Umgangsvereitelung? Führt dies zum Ausschluss des Unterhalts?
Umgangsvereitelung? Führt dies zum Ausschluss des Unterhalts?

1. Sachverhalt

Die Parteien waren geschieden und hatten ein gemeinsames Kind, daß bei der Kindesmutter lebte. Der Kindesvater zahlte Unterhalt. Der Kläger reichte eine Abänderungsklage ein. Er vertrat die Auffassung, der Unterhalt sei gemäß §1579 Nr. 6 BGB verwirkt. Er begründete die Klage u.a. damit, beeinflusse die Beklagte das Kind so stark , daß das Kind den Kontakt ablehne. Die Beklagte habe eine Umgangsvereinbarung seit Jahren nicht eingehalten. Auch Vermittlungsversuche des Jugendamtes seien gescheitert. Das Amtsgericht und das Oberlandesgericht sind dieser Argumentation nicht gefolgt.

2. Rechtlicher Hintergrund

Jedes Elternteil hat die Recht und die Pflicht zum Umgang mit dem Kind. Dabei ist der Elternteil, bei dem das Kind lebt, zur wohlwollenden Motivation des Kindes verpflichtet. Das Kind soll auf den Umgang vorbereitet werden. Nicht jeder Irritation während des Umgangs ist eine Umgangsvereitelung. Dazu bedarf es wesentlich mehr. Doch wie wirkt sich eine solche auf den Unterhalt aus?

Gemäß §1579 Nr. 6 BGB kann ein Unterhaltsanspruch eingeschränkt, herabgesetzt oder befristet werden, soweit die Inanspruchnahme des Verpflichteten auch unter Wahrung der Belange eines dem Berechtigten zur Pflege oder Erziehung anvertrauten gemeinschaftlichen Kindes grob unbillig wäre, weil dem Berechtigten ein offensichtlich schwerwiegendes, eindeutig bei ihm liegendes Fehlverhalten gegen den Verpflichteten zur Last fällt. Dabei muß es ein schwerwiegendes und eindeutiges Fehlverhalten sein. So kann die Leugnung der außereheliche Zeugung eines Kindes ein solches Fehlverhalten sei. Gleiches gilt für den Fall, wenn die Ehefrau ihrem Mann ein Kind “unterschieben” will.

Ob dies in einem Fall der Umgangsvereitelung möglich ist, wird unterschiedlich beurteilt.

3. Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 14.02.2007 (Az.: XII ZR 158/04)

Der BGH bestätigte zwar, daß eine Umgangsvereitelung zur einer Einschränkung des Unterhaltsanspruchs führen könne. Dazu müsse aber eine massive und Fortgesetzte Vereitelung des Umgangs zwischen Umgangsberechtigten und Kind vorliegen. Doch dazu müsse derjenige, der sich darauf beruft, die gesamten Umstände darlegen und beweisen. Allein daran mangele es hier schon:

“Der Kläger hat bereits nicht hinreichend vorgetragen, dass der Beklagten ein schwerwiegendes Fehlverhalten anzulasten ist. Der Einholung des beantragten Sachverständigengutachtens bedurfte es deshalb nicht, vielmehr wäre dies auf einen unzulässigen Ausforschungsbeweis hinausgelaufen.

Der Kläger hat zum einen nicht dargetan, wie sich sein Umgang mit dem Kind und das Verhältnis zu diesem nach der Trennung der Ehegatten im Einzelnen gestaltet hat. Ebenso wenig ist seinem Vorbringen zu entnehmen, welche Bemühungen er selbst in der Vergangenheit unternommen hat, um eine Änderung der ablehnenden Haltung des Kindes herbeizuführen, etwa indem er diesem durch Briefe oder gelegentliches Übersenden von kleinen Geschenken seine fortbestehende Zuneigung vermittelt hat. Zum anderen hat der Kläger das der Beklagten angelastete Verhalten nicht hinreichend konkretisiert, sondern nur pauschal einen von dieser verursachten Loyalitätskonflikt des Kindes angeführt. (…).”

Damit wurde der Antrag des Vaters abgewiesen.

4. Weitere Entscheidung

Eine der wenigen Entscheidungen, in welcher der Unterhalt aufgrund der Umgangsvereitelung ausgeschlossen wurde, wurde durch das OLG München am 14.02.2006 (Az.: 4 UF 193/05) entschieden. In diesem Fall war es aber sehr offensichtlich: so hatte die Kindesmutter dem Kindesvater sexuellen Mißbrauch vorgeworfen und außerdem, noch im Termin deutlich gemacht, daß Sie weiterhin keinen Umgang zu gewähren will. Sie wollten sowohl nach mehreren gerichtlichen Hinweisen als auch nach Zwangsgeldfestsetzungen keinen Umgang gewähren.

5. Fazit

Auch mit dieser Entscheidung wird ersichtlich, daß es für den Umgangsberechtigten fast unmöglich ist, den Unterhalt auszuschließen, wenn das Umgangsrecht vereitelt wird. Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß es nur wenige Entscheidungen zu diesem Thema gibt. Betrachtet man die praktischen Umsetzungsprobleme bei Umgangsvereitelungen, so ist eine Hilfslosigkeit der Umgangsberechtigten offensichtlich.

Mehr zum Umgangsboykott und mögliche Auswirkungen: Umgangsverweigerung – Beratung – Anwalt Wille Fachanwalt Familienrecht (anwalt-wille.de)

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Autor: Rechtsanwalt  Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
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Tel.: 0221/20475318