Trennung und Scheidung – wichtige steuerliche Hinweise
Trennung und Scheidung – steuerliche Auswirkungen ((c) Elena R/fotolia.com)

Trennung und Scheidung – Trennen sich die Ehepartner, so hat dies nicht nur emotionale, sondern auch erhebliche steuerliche Auswirkungen. Was passiert mit den Unterhaltszahlungen an den Ex – Partner ?

Ich möchte Ihnen einen Überblick über wichtige steuerlichen Auswirkungen einer Trennung bzw. Scheidung geben. Für Detailfragen sollen Sie sich aber beraten lassen.

1. Was ist mit der Steuererklärung nach der Trennung?

Ehegatten haben das Recht zwischen getrennter und gemeinsamer Veranlagung zu wählen.

Auf Antrag werden die Ehegatten gemeinsam veranlagt (§ 26b EStG). Dies hat zur Folge, daß beide Ehepartner wie ein Steuerpflichtiger betracht werden und zusammengenommen weniger Steuern zahlen müssen, als dies bei getrennter Veranlagung der Fall wäre. V

oraussetzung für die Zusammenveranlagung ist, daß die Ehegatten nicht dauernd getrennt leben. Doch für das Jahr, in dem Sie sich getrennt haben, können Sie sich auch für das Jahr noch gemeinsam veranlagen. Im Jahr, daß auf das Trennungsjahr folgt, werden die Ehepartner aber getrennt veranlagt.

Beispiel:

Trennung der Ehepartner im Jahr 2004.
Gemeinsame Veranlagung möglich für das gesamte Jahr 2004.
Dies gilt sowohl dann, wenn sich die Eheleute z.B. am 08. Januar 2004 als auch am oder am 09. Dezember 2004 getrennt haben. Ab 2005 erfolgt dann eine getrennte Veranlagung.

Ehepaare, die sich nach einer Trennung kurzfristig versöhnen, können sich dann für dieses „Versöhnungs-„ Jahr wieder zusammen veranlagen.

Unter bestimmten Voraussetzungen, kann sich auch ein (familienrechtlicher) Anspruch auf Zusammenveranlagung ergeben.

2. In welche Steuerklasse wird man nach der Trennung und Scheidung eingestuft?

Die Ehepaare können mit der Heirat wählen, ob sie jeweils in die Steuerklasse IV/ IV bzw. III / V eingestuft werden wollen. Nach der Trennung können sie noch im Trennungsjahr in der alten Steuerklasse verbleiben. Danach werden sie in die Steuerklasse I. bzw. II. eingestuft und ähnlich wie Ledige besteuert. Geschiedene mit Kind, d.h. Alleinerziehende erhalten Steuerklasse II.

3. Können die Kosten des Scheidungsverfahrens von der Steuer abgesetzt werden?

Anwaltskosten, Gerichtskosten etc. eines Scheidungsverfahrens konnten bis 2013 steuerlich als außergewöhnliche Belastung (§ 33 EStG) geltend gemacht werden.

Nachtrag: Im Jahr 2013 gab es eine Gesetzesänderung. Der Bundesfinanzhof hat sich endgültig gegen eine Absetzbarkeit der Scheidungskosten ausgesprochen (Aktenzeichen VI R 9/16). 

4. Was ist mit „Unterhaltszahlungen“ nach der Trennung und Scheidung?

Derjenige, der Unterhalt an den geschiedenen oder an den getrennt lebenden Ehegatten zahlt, kann dies steuermindernd geltend machen. Der Unterhaltszahlende hat dann die Möglichkeit diese Zahlungen pro Unterhaltsjahr entweder als Sonderausgaben (bis 13.805 EUR) oder als außergewöhnliche Belastungen (bis zu 7.680 EUR) angeben.

Sollen die Unterhaltszahlungen als Sonderausgaben geltend gemacht werden, so muß dies mit einem besonderen Erklärung oder einem Formular bei der Steuererklärung („Anlage U“) beantragt werden.

Der Unterhaltsempfänger muß damit einverstanden sein. Gibt der Unterhaltsempfänger seine Zustimmung, dann hat dies auch zur Folge, daß er diese Zahlungen versteuern muß. Daher muß sich der Unterhaltszahler, verpflichten alle steuerlichen und sonstigen wirtschaftlichen Nachteile auszugleichen.

Grundsätzlich kann nur der Unterhalt an den Ex- Partner steuerlich geltend gemacht haben. Dies gilt nicht für den Kindesunterhalt.

5. Was ist mit dem Kinderfreibetrag und dem Kindergeld?

Man bekommt entweder Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag Das Kindergeld beträgt monatlich derzeit für jedes Kind je 154,- EUR und ab dem vierten Kind je 179,- EUR.

Das Kindergeld dient der Entlastung der Eltern. Dasselbe Ziel hat auch der Kinderfreibetrag. Eltern, die zusammenleben, steht pro Kind ein Kinderfreibetrag von 304,- EUR monatlich = 3.648,- EUR jährlich zu. Getrennt lebende Eltern erhalten ab dem Jahr, welches auf die Trennung folgt, jeder pro Kind einen Kinderfreibetrag von 152,- EUR monatlich = 1.824,- EUR jährlich.

Das Finanzamt überprüft, welche Lösung für den Steuerzahler günstiger ist. Ist die steuerliche Entlastung aus dem Kinderfreibetrag niedriger als das Kindergeld, wird der Kinderfreibetrag für die Festsetzung der Einkommenssteuer nicht berücksichtigt.

6. Sind die Kosten des Umgangsrechts nach der Trennung und Scheidung steuerlich absetzbar?

Wer seine Kinder sehen will, muß bei einer Trennung oder Scheidung nicht selten längere Strecken fahren. Das Hessische Finanzgericht hat entschieden, daß diese Fahrt-Kosten abzusetzen sein. Dagegen legte die Finanzbehörde Revision ein.

Nachtrag:

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Umgangskosten als außergewöhnliche Belastungen nicht geltend gemacht werden können (BFH-Beschluss vom 15.5.2012, VI B 111/11)

7. Was ist mit der Eigenheimzulage?

Die Eigenheimzulage ist eine steuerliche Förderung. Die Zulage kann nur für ein Objekt, bei Ehegatten aber für zwei Objekte in Anspruch genommen werden. Der Miteigentumsanteil an einem Wohneigentum gilt als ein Objekt.

Nachtrag: Die bundesweite Eigenheimzulage wurde 2006 abgeschafft.

8. Gibt es steuerliche Auswirkungen des Zugewinnausgleichs?

Haben Ehepartner keine Vereinbarung getroffen, so leben sie im sog. gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Bei einer Scheidung wird der erwirtschaftete Zugewinn zwischen den Eheleuten ausgeglichen.

„Zugewinn“ ist der Betrag, um den das Endvermögen eines Ehegatten das Anfangsvermögen übersteigt.

Der Zugewinnausgleich ist eine entgeltliche Veräußerung eines Wirtschaftsgutes und unterfällt daher der Steuer. Der Zugewinnausgleich löst zwar in der Regel keine Schenkungssteuer aus, doch können anderen erhebliche steuerliche Auswirkungen folgen. So können z.B. private oder betriebliche Veräußerungsgewinne entstehen oder der Anspruch auf Eigenheimzulage verloren gehen.
 
Wie Sie sehen, ist die Beratung nicht nur in rechtlicher, sondern auch in steuerlicher Hinsicht notwendig.

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Autor: Rechtsanwalt Klaus Wille
und Fachanwalt für Familienrecht
Dozent für das Arbeits- und
Betriebsverfassungsrecht
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