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Es wird wieder neu gerechnet: Der Kindesunterhalt hat sich verändert. (Foto: ©-Schlierner-Fotolia.com)

Kindesunterhalt muss jeder zahlen, dessen Kinder bei einem anderen Elternteil lebt. In der Regel wird der Kindesunterhalt anhand der Düsseldorfer Tabelle bestimmt. Die neue Düsseldorfer Tabelle wurde nun vom Oberlandesgericht Düsseldorf veröffentlicht.

1. Was ändert sich gegenüber der Düsseldorfer Tabelle 2013?

Die Unterhaltsbeträge haben sich erstmals seit 2010 erhöht. Im Durchschnitt gab es eine Erhöhung um ca. 3 % pro Monat. Unter Berücksichtigung des neuen Kinderfreibetrags von 4.512 € steigt der  monatliche Mindestunterhalt wie folgt:

  • Der monatliche Mindestunterhalt eines Kindes bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres (1. Altersstufe) steigt von bisher 317 € auf 328  €;
  • Der monatliche Mindestunterhalt eines Kindes vom siebten bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres (2. Altersstufe) steigt von 364  € auf 376 €;
  • Der monatliche Mindestunterhalt für ein Kind ab dem 13. Lebensjahr bis zu Volljährigkeit (3. Altersstufe) steigt von bisher 426 € auf 440 €.
  • Der monatliche Mindestunterhalt für ein Unterhalt volljähriger Kinder steigt von 488 € auf 504  €.

2. Warum wurde die Düsseldorfer Tabelle jetzt geändert?

Die Erhöhung der Bedarfssätze für die Kinder beruht auf der Anhebung des Grundfreibetrages, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags. Der steuerliche Kinderfreibetrag für das Jahr  2015 steigt von bisher 4.368 € um 144 € auf 4.512 €.

3) Ab wann gilt die neue Düsseldorfer Tabelle?

Es gibt keine Rückwirkung des neuen Unterhaltsrechts. Die neue Düsseldorfer Tabelle gilt ab dem 01. August 2015, d.h. die Unterhaltssätze steigen ab dem 01. August 2015.

4) Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Die Tabelle hat keine Gesetzeskraft, sondern stellt eine Richtlinie dar, die von den Gerichten allgemein angewandt wird. Sie weist den monatlichen Unterhaltsbedarf aus, bezogen auf zwei Unterhaltsberechtigte, ohne Rücksicht auf den Rang. Der Bedarf ist nicht identisch mit dem Zahlbetrag.

Die Düsseldorfer Tabelle ist unterteilt in 10 Einkommensgruppen und vier Altersstufen

5) Wie wird das Kindergeld berücksichtigt?

Von dem Unterhaltsbedarf aus der Düsseldorfer Tabelle ist jeweils das Kindergeld abzuziehen. Für das erste Kind gibt es Kindergeld in Höhe von 184 €; für das zweite Kind ebenfalls. Ab dem dritten Kind erhält man 190 € und ab dem vierten Kind 215 € Kindergeld.

  • bei minderjährigen Kindern wird das Kindergeld zur Hälfte,
  • bei volljährigen Kindern wird das Kindergeld vollständig abgezogen.

Wichtig: Normalerweise wird das Kindergeld angerechnet. Das Kindergeld  ab 01.01.2015 wird zwar erhöht, doch die neuen Beträge werden erst ab dem 01.01.2016 in der Unterhaltsberechnung berücksichtigt.

6) Wie wird der Kindesunterhalt berechnet?

Bevor der Unterhalt berechnet werde kann, benötigt man die Einkommensnachweise. Der Unterhaltsschuldner muss dazu aufgefordert,  über das Einkommen Auskunft zu erteilen und diese zu belegen.

Aus Beweisgründen empfehlen wir immer die Aufforderung schriftlich zu verfassen.

Erhalten Sie die Einkommensbelege, so muss das  Einkommen berechnet. Zunächst wird das monatliche Einkommen berechnet. Dazu wird das Bruttojahreseinkommen abzüglich der Steuern und Abgaben errechnet. Diesen Betrag rechnet man dann durch 12 Monate, zieht noch berufsbedingte Aufwendungen (z.B. Fahrtkosten), Beiträge zur privaten Rentenversicherung und ggf. Schulden ab.

Die Düsseldorfer Tabelle ist unterteilt in 10 Einkommensgruppen und vier Altersstufen.

Die Grundregel lautet: Je höher das Einkommen und je älter das Kind, desto höher der Kindesunterhalt.

7) Was verändert sich ab 2016?

Die Bedarfssätze unterhaltsberechtigter Kinder werden sich voraussichtlich zum 1. Januar 2016 weiter erhöhen, da der steuerliche Kinderfreibetrag zu diesem Zeitpunkt von 4.512 € auf 4.608 € steigen wird. Daher ist ab Januar 2016 mit einer neuen Düsseldorfer Tabelle zu rechnen. Außerdem erhöht sich das Kindergeld nochmals um 2 € pro Kind.

Quellenangaben:

  • Düsseldorfer Tabelle: Die aktuelle Tabelle ist unter http://www.olg-duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_tabelle/ abrufbar.
  • Foto: ©-Schlierner-Fotolia.com
Autor des Textes:
Rechtsanwalt Klaus Wille
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