Falls ein Rechtsanwalt zuerst ein Ehepaar im Rahmen eine "einverständlichen Scheidung" berät und später nur einen davon, aber in einem anderen Zusammenhang, dann kann dies trotz allem eine Interessenskollission sein.
1. Sachverhalt
Der Kläger ist Rechtsanwalt und hatte Eheleute als Mandanten, die sich einvernehmlich scheiden wollten im Vorfeld gemeinsam beraten. In diesem Zusammehang wurde eine Trennungsvereinbarung geschlossen. In der Folgezeit wurde der Beklagte, der Ehemann, vom Kläger auch im Rahmen der noch nicht geregelten Scheidungsfolgen nachehelicher Unterhalt und Güterrecht separat beraten. Der Kläger klagte auf Zahlung des Honorars und wollte die Trennungsvereinbarung und die spätere Beratung der Scheidungsfolgen abrechnen. 
Das erstinstanzliche Verfahren vor dem Landgericht beurteilte die rechtliche Beratung der Eheleute im Vorfeld als Mediation und gab dem Kläger Recht.  und begründete hieraus einen Geschäftsbesorgungsvertrag wonach der Rechtsanwalt einen Vergütungsanspruch ableiten konnte.
Auf die Entscheidung des Landgerichtes wurde Berufung vor dem Kammergericht Berufung erfolgreich Berufung eingelegt, welches das erstinstanzliche Urteil aufhob.
2. Rechtlicher Hintergrund
Gem. § 43a Abs. 4 BRAO darf der Rechtsanwalt keine widerstreitenden Interessen vertreten. Häufig kommen Eheleute in die Kanzlei, um sich gemeinsam beraten zu lassen. Sie denken, daß Sie damit Rechtsanwaltskosten sparen können. Vorliegend ist problematisch, ob ein Rechtsanwalt der einvernehmlich scheidungswillige Eheleute gemeinsam berät noch im Nachhinein einen Ehegatten in noch nicht geklärten Fragen in der Scheidung weiterberaten darf oder sich bereits in einem Interessenkonflikt befindet.
3. Entscheidung des Kammergerichts Berlin vom 12.07.2007 (Az.16 U 62/06)
Das Kammergericht sieht in der Nachberatung/-vertretung eines Ehepartners der zuvor schon gemeinsam als Ehepartner vor dem gleichen Rechtsanwalt vertreten/beraten worden ist eine Interessenkollision, welches zumindest eine fahrlässigen Pflichtverstoß gegen die Vorschrift des § 43a Abs. 4 BRAO, die ein gesetzliches Verbot i.S.d. § 134 BGB darstellt, diese führe zur Nichtigkeit des anwaltlichen Geschäftsbesorgungsvertrages gem. 134 BGB. Zwar läge in der geschlossenen Trennungsvereinbarung noch keine Interessenkollision vor, doch die spätere Beratung sei dies schon. Dazu führte das Gericht u.a. aus:
"Etwas anderes gilt aber in Zusammenhang mit der nachfolgenden Vermögensauseinandersetzung, die in der Trennungsvereinbarung v. 1.7.2005 ausdrücklich ausgeklammert worden war. Es musste ungeachtet des Versorgungsausgleichs noch eine Regelung hinsichtlich des Zugewinnausgleichs und hinsichtlich des nachehelichen Unterhalts getroffen werden. Die Eheleute verfügten über erhebliches gemeinsames Immobilienvermögen. Zudem bestanden ganz erhebliche Einkommensunterschiede (vgl. Ziff. 5. der Trennungsvereinbarung v. 1.7.2005). Dadurch waren widerstreitende Interessen (z.B. bzgl. der Bewertung der Immobilien) vorprogrammiert, die auch im Rahmen der Verhandlungen betreffend die Vermögensauseinandersetzung aufgetreten sind. Dies ergibt sich schlüssig bereits daraus, dass hinsichtlich der Vermögensauseinandersetzung über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg zahlreiche Gespräche und Telefonate mit dem Bekl. und dessen Ehefrau (darunter auch Separatgespräche) stattfanden, u.a. am 16.9.2005 ein mehrstündiges Gespräch in Gegenwart eines Vermögensberaters.
Es kann in diesem Zusammenhang dahingestellt bleiben, ob die Kl. – wie sie behauptet – den Bekl. und dessen Ehefrau von vornherein darauf hingewiesen hat, dass eine gemeinsame Beauftragung eines RA zur Regelung der Trennungs- bzw. Ehescheidungsfolgen nicht möglich sei. Zwar ist die formelle Mandatierung am 1.7.2005 aufgrund der finanziellen Verhältnisse der Eheleute (vgl. das Schr. der Kl. an den Bekl. v. 20.1.2006, S. 1) nur seitens des Bekl. erfolgt. Die Kl. hat sich gleichwohl in der Folgezeit nicht so verhalten, als hätte sie nur die Vertretung des Bekl. übernommen. Vielmehr hat sie weiterhin auch die Ehefrau des Bekl. beraten und deren Interessen vertreten. Hierfür spricht bereits das Schr. der Kl. an den Bekl. v. 5.12.2005 (Anl. B 1), in dem es heißt, sie habe zu seinen Gunsten von der Geltendmachung der Erhöhungsgebühr für zwei Mandanten abgesehen. Noch deutlicher wird dies aus dem Schr. an den Bekl. v. 20.1.2006, in dem die Kl. auf zahlreiche Separatgespräche (drei Einzelgespräche und mindestens sechs Telefongespräche) mit der Ehefrau des Bekl. verweist und daraus schlussfolgert, dass der Vortrag der Ehefrau, diese sei von ihr nicht vertreten worden, falsch sei. Schließlich hat die Kl. in letzterem Schreiben auf eine Vereinbarung hingewiesen, wonach die Kosten ihrer Beauftragung vom gemeinsamen Sparkonto des Bekl. und dessen Ehefrau gezahlt werden sollten."

4.Fazit
Für Sie als Mandanten ist es ratsam, sich immer von einem eigenen Rechtsanwalt alleine vertreten zu lassen. Die Schwierigkeiten rechtlicher und tatsächlicher Art, sind nicht zu unterschätzen. Es ist nicht selten der Fall, daß  die Eheleute zu Beginn einen Rechtsanwalt aufsuchen wollen um Geld zu sparen; nicht selten hat aber derjenige, der sich benachteiligt fühlt, den Wunsch sich einen eigenen Rechtsanwalt zu suchen und zahlt daher nochmals.
5. Quelle
BRAK Mitteillungen 6/2007, S.274 oder unter www.brak-mitteilungen.de/datenbank (hier: BRAK.2007.06.R.15 )
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wille
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familienrecht
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